18. KAPITEL

„Sie gehörte ganz bestimmt zu dieser Tarakabande, Giles. Und sie war unglaublich schnell mit der Pistole ."

Mit ernster Stimme berichtete Buffy von dieser letzten Katastrophe. Die vier hatten sich in der Bibliothek versammelt, um das Geschehen zu analysieren.

„Und dieser Oz", erkundigte sich Giles besorgt, „geht's dem gut?"

Willow brachte ein unsicheres Lächeln zustande. „Der Sanitäter meinte, es wäre nur ein Kratzer, zum Glück ..."

Sie verstummte, als Xander und eine völlig durchweichte Cordelia hereinplatzten. Beide schienen furchtbar aufgeregt zu sein; Cordelia stand kurz vor einem hysterischen Anfall.

Buffy blickte Kendra warnend an. „Nicht!" befahl sie, bevor Kendra wieder angreifen konnte.

Aber Kendra stand da wie angewurzelt. Sie starrte Xander an wie ein Reh, das vom Lichtkegel eines Autoscheinwerfers erfaßt wird.

„Wer war heute der Sponsor der Berufsmesse?" fragte Xander trocken. „Der Dach verband der englischen Fußballfans?"

Giles hörte sich müde an. „Wir hatten einen ziemlich gewalttätigen Besuch eines Ordensmitglieds von Taraka."

„Ihr redet von dem Orden von Taraka?" rief Xander aufgeregt. „Wir haben den Oberfreak dieses Ordens von ..."

Er schwieg abrupt und starrte Kendra an.

„Entschuldigt bitte." Giles besann sich auf seine guten Manieren. „Xander, Cordelia, das ist Kendra. Es ist sehr kompliziert, aber sie ist auch eine Jägerin."

Cordelia war von den Neuigkeiten nicht im geringsten beeindruckt. Sie sah Kendra kaum an, als sie an ihr vorbeiging und sich auf einen Stuhl fallen ließ. „Hi", brachte sie dann mit dünnem Lächeln heraus. „Nett, dich kennenzulernen."

„Eine Jägerin?" Xander zwinkerte Buffy wissend zu. „Ich wußte doch, daß dieses ewige ,Es kann nur eine geben, und die bin ich' bloß dazu da war, damit du die ganzen Jungs absahnst!"

„Sag doch einfach ,Hallo', Xander", seufzte Buffy.

Aber Xander starrte nun seinerseits Kendra an. Völlig fasziniert stellte er sich neben sie. Sofort schlug Kendra schüchtern die Augen nieder.

„Willkommen”, begrüßte Xander sie. „Du bist also eine Jägerin, was? Mir gefallen solche Frauen sehr.”

Kendra schien völlig durcheinander zu sein. „Ich... ich hoffe...” stammelte sie. Sie holte tief Luft und begann von neuem: „Ich danke Ihnen. Ich meine, Sir... ich stehe gern zu Diensten.”

Xander schaute Buffy fragend an, aber die zuckte nur mit den Achseln.

„Gut”, meinte er dann und trat wieder zurück. „Super. Ist immer schön, wenn man etwas zu geben hat.”

Giles war tief in Gedanken. Er lenkte das Gespräch wieder auf das anstehende Problem zurück.

„Dieser Mörder, den ihr getroffen habt, Xander, wie sah der aus?” Bevor Xander etwas erwidern konnte, stieß Cordelia einen Schrei aus. Sie sprang auf, schlug sich wie wild auf den Kopf und kreischte, als ein toter Wurm aus ihrem Haar fiel und auf einem aufgeschlagenen Buch landete.

„Genau so”, sagte Xander.

Cordelias Stimme klang so schrill, als würde sie gleich überkippen. „Das war's! Ich geh' jetzt unter die Dusche!” Sie drehte sich abrupt um und marschierte hinaus, während Buffy Xander neugierig anschaute.

„Du und die Leute mit den Wanzen, Xander.” Sie klang fast belustigt. „Das paßt doch bestens zusammen.”

„Dieser Typ war aber ganz anders als Lady Gottesanbeterin”, versetzte Xander, der auch an ihre „Aushilfslehrerin” aus dem letzten Schuljahr dachte. „Er war ein Mann, der aus Ungeziefer bestand. Keine menschliche Wanze.”

„Das wichtigste ist”, fuhr Giles fort, „daß niemandem etwas geschehen ist. Dennoch ist es nur zu offensichtlich, daß wir ernsthaft angegriffen werden ... ”

„Ja”, unterbrach ihn Buffy. „Diese Tarakatypen sind gefährlich. Wäre Kendra nicht dagewesen, würde ich nicht mehr unter euch weilen.”

Schweigend nahm Kendra den Dank an.

Giles' Miene spiegelte höchste Besorgnis wider. „Ich fürchte, das Schlimmste steht noch aus: Ich habe die restlichen Heilmittel für Drusillas Krankheit entdeckt. Das Ritual sieht vor, dass ihr Meister anwesend ist, und es muß bei Neumond in einer Kirche abgehalten werden.”

„Bei Neumond?" schaltete sich Kendra ein. „Aber das ist ja heute nacht."

„Ganz genau. Ich bin sicher, die Mörder sind hier, um Buffy zu töten, bevor sie dieses Ritual aufhalten kann ... "

„Sie brauchen Drusillas Meister dazu?" Nun war es Buffy, die ihn unterbrach. Sie sprang auf, ihr Ton wurde drängend. „Sie meinen den Vampir, der sie zum Vampir machte?"

Willow sah die Angst in Buffys Gesicht. „Was ist denn, Buffy?"

Buffy wandte sich von den anderen ab. Sie brauchte einen Augenblick, um sich wieder zu sammeln, dann blickte sie die anderen an.

„Es ist Angel", sagte sie leise. „Er ist Drusillas Meister."

„Mann!" rief Xander aus. „Der Typ hat aber keinen Hals ausgelassen!"

Willow boxte ihn in die Rippen. Kendra sah verärgert aus, sagte aber nichts.

„Dieses Dingsbums." Buffy sah Giles ernst von der Seite an. „Dieses Ritual. Wird es ihn umbringen?"

Giles zögerte mit der Antwort. Er mied ihren Blick und sagte mit leiser Stimme: „Ich fürchte schon."

„Wir müssen etwas tun", drängte Buffy. „Wir müssen diese Kirche finden, wo das Ritual stattfinden soll!"

„Da stimme ich dir zu. Und wir müssen schnell sein. In fünf Stunden geht die Sonne unter."

„Mach dir keine Sorgen, Buffy", versuchte Willow sie zu trösten. „Wir werden Angel retten."

Nun konnte Kendra nicht länger an sich halten.

„Angel?" rief sie mit empörter Stimme. „Das wichtigste ist, Drusilla aufzuhalten."

Ärgerlich wandte sich Xander ihr zu. „Angel ist unser Freund!" fuhr er sie an. Dann schwieg er und dachte nach. „Leiden kann ich ihn allerdings nicht", fügte er etwas unlogisch hinzu.

„Hör mal." Jetzt sah Buffy Kendra tief in die Augen. Ihre Stimme klang trotzig. „Du hast deine Prioritäten und ich meine. Im Augenblick passen sie gut zusammen. Willst du mit mir arbeiten, oder willst du mir in die Quere kommen?"

Sie blickten einander ohne Blinzeln an. Angespanntes Schweigen breitete sich aus.

„Ich helfe dir", sagte Kendra schließlich.

„Gut!" schloß Buffy wütend. „Denn mir reicht's jetzt. Spike wird es nicht mehr lange machen. Man kann mich angreifen, man kann mir Mordgesellen hinterherschicken . . . das ist völlig in Ordnung."

Sie richtete sich zu ihrer vollen Größe auf. Ihr Blick war vernichtend.

„Aber niemand legt sich mit meinem Boyfriend an."

07 - Die Angel Chroniken 2
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